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E.T.A. Hoffmann-Sammlung und Portal

Unheimlich Fantastisch!


Wilhelm Hensel: E.T.A. Hoffmann, Fotodruck, Berlin, ca. 1910. Zum Digitalisat

E.T.A. Hoffmann (1776–1822) war einer der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit – mehr noch: einer der wenigen echten Bestsellerautoren, die auch im Ausland anerkannt wurden. Er war mit vielen Talenten begabt, aber zwischen seinen Berufungen hin- und hergerissen. So brillierte und scheiterte er als Dichter des Schauerlichen und Fantastischen, als Zeichner und schonungsloser Karikaturist, als Komponist und Musikkritiker, als Theaterdirektor und preußischer Richter. Die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt eine weltweit einzigartige Sammlung zu E.T.A. Hoffmann, darunter Musikautographe, Briefe, Erstausgaben und illustrierte Bücher. Sie wird seit 2015 durch das E.T.A. Hoffmann Portal digital erschlossen und zugänglich gemacht.



E.T.A. Hoffmann (1776–1822) ist heute als Bestsellerautor der Romantik bekannt. Doch er war weit mehr als das:

„Die Wochentage bin ich Jurist und höchstens etwas Musiker, sonntags, am Tage wird gezeichnet, und abends bin ich ein sehr witziger Autor bis in die späte Nacht.— Noch die letzte Szene … und dann zu Bette — Himmel schon halb 12!“

E.T.A. Hoffmann an Theodor Gottlieb von Hippel, 23. Januar 1796


Die Staatsbibliothek zu Berlin bewahrt eine der weltweit größten E.T.A. Hoffmann-Sammlungen. Ihr Grundstock war ein Geschenk: Hoffmanns Witwe Michaelina übergab dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. 1847 die verbliebenen Musikautographe ihres verstorbenen Mannes. Seitdem sind viele originale Manuskripte, Briefe und Erstausgaben, illustrierte Bücher, Buchobjekte und Forschungsliteratur hinzugekommen.

Das Multitalent

Hoffmann komponierte mit der Undine die erste romantische Oper überhaupt. Sie basiert auf Friedrich de la Motte Fouqués gleichnamigem Kunstmärchen und wurde 1816 mit Bühnenbildern von Karl Friedrich Schinkel im Königlichen Schauspielhaus in Berlin uraufgeführt. Die sehr erfolgreichen Aufführungen fanden bereits 1817 ein jähes Ende, als das Haus in Brand geriet und die gesamte Ausstattung vernichtet wurde.



Die alte Sage von der Wassernixe Undine, die sich unglücklich in einen Menschen verliebt, hat E.T.A. Hoffmann stark inspiriert. Bis 1813 schrieb er an einer ‚Zauberoper‘ zu Undines Schicksal. Dabei schuf er passagenweise eine ganz neue Musik mit besonderen Klangfarben und Instrumentenkombinationen. Diese sind insbesondere dann zu hören, wenn im Stück die Wassergeister auftreten. Ein Beispiel hierfür sind die Wogenlieder.

Die Oper Undine wurde 1816 als romantisches Gesamtkunstwerk für alle Sinne in Berlin uraufgeführt. Heute ist sie ein fast in Vergessenheit geratenes Stück Musikgeschichte.


E.T.A. Hoffmann: UndineAkt I: Wogenlieder, 1813. Zum Digitalisat

E.T.A. Hoffmann inspiriert

Mit Michael Bensmans Buchobjekt Geschichte vom verlorenen Spiegelbilde wird das Ausgangsmedium Buch zum raumgreifenden Objekt. Der Text ist auf ein Minimum reduziert, dafür versinnbildlichen schwarze Hände, die nach dem Spiegelbild greifen, die psychologischen Untertöne in Hoffmanns Erzählung.



E.T.A. Hoffmann ließ sich von der Literatur zum Komponieren inspirieren, Gemälde regten ihn zum Schreiben an und Musik wiederum zum Zeichnen. Seine Kreativität scheint unerschöpflich gewesen zu sein.

Dieser Schaffensdrang wirkt nach: Auch nach über zwei Jahrhunderten beschäftigen sich immer wieder Künstler, Schriftstellerinnen und Wissenschaftler mit Hoffmann. So auch Michael Bensman, der wie Hoffmann verschiedene Kunstformen miteinander verbindet: Text und bildende Kunst werden zu einem dreidimensionalen Spiegel-Objekt. Künstlerbücher und Buchobjekte wie dieses bilden einen besonderen Schwerpunkt in der E.T.A. Hoffmann-Sammlung der Staatsbibliothek.


Michael Bensman: E.T.A. Hoffmann – Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbilde, Moskva, Berlin, 2015. SBB-PK © Michael Bensman / Video Anka Bardeleben

E.T.A. Hoffmann Portal

Seit 2015 werden alle rechtefreien E.T.A. Hoffmann-Materialien der Staatsbibliothek zu Berlin und weiterer Einrichtungen im E.T.A. Hoffmann Portal digital erschlossen und online auf
etahoffman.net zugänglich gemacht. Inzwischen sind es knapp 2.500 Objekte. Das Portal ist der zentrale Einstieg in die Beschäftigung mit dem Leben und Werk Hoffmanns.

So finden sich dort auch zahlreiche einführende Themenbeiträge mit vielen Illustrationen, ein datenbankübergreifendes Rechercheinstrument und Lehrmodule für den Schulunterricht. Interaktive Elemente wie ein biografischer Zeitstrahl und Stadtrundgänge durch Berlin und Bamberg machen das Angebot lebendig.

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